Der Bericht beschreibt die völkischen Aktivitäten der inzwischen verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) 2008. Die Aktivitäten der HDJ werden in anderen Organisatione fortgesetzt - z.B. der AG Fahrt und Lager. Der Einblick in die neonazistischen Erziehungsmethoden behält deshalb auch weiterhin seine Gültigkeit.

Die Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ) ist ein ins Vereinsregister eingetragener Verein mit rechtsextremer Ideologie, der versucht, traditionelle Pfadfinderschaften zu kopieren, um nach außen hin unauffälliger agieren zu können. Sie hat bundesweit Schätzungen des Verfassungsschutzes zufolge 100 bis 300 Mitglieder im Alter von sieben bis 29 Jahren. Alle, die älter sind, können sich in der Vereinsleitung und den Freundes- und Familienkreisen engagieren.

Ihren offiziellen Sitz hat die HDJ in Plön, sie agiert allerdings von Berlin aus, wo sich die Postfächer der HDJ und der Verbandszeitschrift „Funkenflug" befinden.

Der Bundesführer, sein Stellvertreter, die Bundesmädelführerin, der Bundeskassenwart, der Bundesgeschäftsführer, der Bundesfahrtenführer, der Leitstellenführer, der Pressereferent und die Pressesprecher der Familien- und Freundeskreise und der Sprecher des Ehrenrates als Vertreter der Ehrenmitglieder bilden die Bundesführung der Heimattreuen Deutschen Jugend, die alle drei Jahre auf dem Bundesjugendtag gewählt wird.

Die Mitgliederbasis des Vereines ist in sieben so genannte „Einheiten" eingeteilt: Schleswig-Holstein, Sachsen, Hessen, Schwaben, Franken, Preußen, Mecklenburg und Pommern. Die Bezeichnung Mecklenburg-Vorpommern wird bewusst vermieden, um den Anspruch Deutschlands auf das von 1945 an zu Polen gehörende Hinterpommern deutlich zu machen.

Diese Einheiten sind den vier Leitstellen Nord, Süd, West und Mitte zugeordnet. Die Leitstelle Süd ist zusätzlich für Österreich und Südtirol zuständig.

Als Erkennungssymbol verwendet die Heimattreue Deutsche Jugend die Odalsrune.

Entstehungsgeschichte

Durch eine Abspaltung des rechten Flügels vom „Bund heimattreuer deutscher Jugend - Der Freibund" (BHJ), der sich zwischen 1975 und 1988 stark vom militanten Rechtsextremismus abwendete, entstand 1990 „Die heimattreue Jugend e.V." (DHJ).

Sie gleicht in ihren Strukturen und leitenden Aktivisten der 1994 verbotenen Wiking-Jugend.

2001 hieß es in einem Rundschreiben, „daß man ‚Die Heimattreue Jugend' nicht gescheit abkürzen kann, ohne das Kürzel einer seit ´45 in Deutschland verbotenen Organisation zu nutzen", obwohl die inhaltlichen Parallelen zur ebenso kämpferischen und rassistischen Hitlerjugend nicht zu bestreiten sind.

Am 3. Oktober 2001 wurde der Name des Vereines offiziell in „Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ) - Bund zum Schutz für Umwelt, Mitwelt und Heimat e. V." geändert, die Änderung stand jedoch schon einige Zeit vorher fest.

Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit richtete sich im Herbst 2006 auf die Heimattreue Deutsche Jugend, als die Journalistin Andrea Röpke in einem Supermarkt von HDJ-Mitgliedern angegriffen und verletzt wurde, nachdem sie Recherchen über die Heimattreue Deutsche Jugend angestellt hatte. Zu der Zeit zog auch HDJ-Aktivist und Kameradschaftsführer Tino Müller für die NPD in den Mecklenburg-Vorpommernschen Landtag ein.

Trotz mehrerer Prüfungsanträge des Vereinsverbotes gegen die Heimattreue Deutsche Jugend ist der Verein noch nicht verboten.

Vergleich der Heimattreuen Deutschen Jugend mit der Hitlerjugend und Wiking-Jugend

Vergleicht man die Heimattreue Deutsche Jugend mit der Hitlerjugend und der Wiking-Jugend, die die Nachfolgeorganisation der Hitlerjugend war, entdeckt man gewisse Parallelen.

Viele Aktivisten der Wiking-Jugend (WJ) treten auch in der Heimattreuen Deutschen Jugend wieder als Führungspersonen in Erscheinung: Stefan Räbiger war der letzte Bundesführer der Wiking-Jugend, nach deren Verbot  wurde er Bundesführer der HDJ. Auch die Familie Narath war mehr als 30 Jahre in der Wiking-Jugend aktiv. Nachdem diese Organisation verboten wurde, engagierten sich mehrere Familienmitglieder in der Heimattreuen Deutschen Jugend, unter ihnen Dirk Narath, fränkischer Gauführer der Wiking-Jugend, und Wolfram Narath. Der ehemalige WJ-Bundesführer referiert häufig bei Veranstaltungen der Heimattreuen Deutschen Jugend.

Auch in den Bezeichnungen stimmen die HDJ und die Wiking-Jugend zu einem großen Teil überein. So werden die einzelnen Bezirke immer noch mit „Gau" bezeichnet und die Vorstandsmitglieder nennen sich „Bundesführer" und „Bundesmädelführerin".

In der Form ihrer Aktivitäten und deren Ziele gibt es ebenso einige Übereinstimmungen: Die „Wehr(sport)übungen" dienen dazu, die Kinder und Jugendlichen zu gehorsamen Kriegern auszubilden .Es stehen unter anderem das Heranschleichen an Feinde, der Handgranatenweitwurf und nach Augenzeugenberichten auch das Schießen auf dem Programm der Heimattreuen Deutschen Jugend. Auch von Mutproben bleiben die Kinder und Jugendlichen nicht verschont.

Bei den Schulungen wird ihnen ein Weltbild vermittelt, welches der rechtsextremen Ideologie entspricht. In Berichten des Verfassungsschutzes werden Inhalte der Verbandszeitschrift „Funkenflug" als rassistisch und antisemitisch bezeichnet.

Ein weiterer Beleg dafür, dass die HDJ und die Wiking-Jugend direkt miteinander verglichen werden können, ist, dass die Uniform der Heimattreuen Deutschen Jugend die gleiche ist wie die der Wiking-Jugend, bis auf dass der Name der Organisation unter dem Emblem ausgetauscht wurde.

Die Odalsrune, die sich bei der Hitlerjugend und auch bei der Wiking-Jugend auf Fahnen findet, wurde von der Heimattreuen Deutschen Jugend ebenso übernommen wie der Adler, der die Freizeithemden der Wiking-Jugend ziert.

Aktivitäten

Die Heimattreue Deutsche Jugend organisiert bundesweit Zelt- und Sommerlager, Ferienaktivitäten und Sportveranstaltungen, bei denen sie den Kindern und Jugendlichen ihre „Werte" vermitteln, so wird zum Beispiel tolerantes Verhalten gegenüber Schwächeren im „Funkenflug" 2/2006 als Charakterschwäche dargestellt.

Zur „Formung von Körper und Charakter" werden Sportübungen veranstaltet, unter anderem Leistungsmärsche, beispielsweise wird gefordert 150 Kilometer in 3 Tagen zu Fuß zurückzulegen.

Für die Mädchen werden „Kochwettbewerbe" veranstaltet, doch geht es hierbei nicht darum, Lebensmittel im Supermarkt zu kaufen und zuzubereiten, sondern in der Natur essbare Dinge zu finden. Es werden Aktivitäten angeboten wie „Waschlappen mit Namen und Bildern besticken und zum anderen Tanzen" oder für die „kleinen Mädels" Baden im See, während die Jungen Baumhäuser bauen oder die Messerprobe machen.

In den Bereichen Kultur und Brauchtum werden vor allem für Mädchen Aktivitäten wie Plätzchenbacken, Volkstanz und Volksliedersingen angeboten.

Die meisten Lager sind alterstechnisch oder regional beschränkt.

Es werden Sonnenwendfeiern und Reisen in die ehemaligen deutschen Gebiete in Osteuropa durchgeführt. Beim größten und wichtigsten Treffen, welches jährlich zu Pfingsten stattfindet, kommen bundesweit 250 bis 350 Teilnehmer zusammen.

Es werden Heimabende und Schulungsveranstaltungen organisiert, sowie Wehrübungen und Prüfungen für den „Stundenschwimmer"/„Totenkopfschwimmer".

Bei einer Razzia in einem  HDJ-Lager im Landkreis Güstrow im August 2008 wurden Geschirrtücher mit Hakenkreuzen sowie Karten, auf denen die Kinder und Jugendlichen das Memelland einzeichnen sollten, sichergestellt, ebenso bei nahezu 100 Durchsuchungen, die  am 9. Oktober 2008 stattfanden. Daraufhin wurden keine Festnahmen geplant, sondern ein vereinsrechtliches Ermittlungsverfahren, dazu das Bundesinnenministerium: „Es bestehen tatsächliche Anhaltspunkte, dass sich die HDJ gegen die verfassungsmäßige Ordnung richtet. Der Verein ist ein neonazistisch ausgerichteter Jugendverband. Zunächst unpolitisch erscheinende Freizeitaktivitäten - wie Zeltlager - dienen dazu, Kinder und Jugendliche bereits in jungen Jahren an nationalsozialistisches Gedankengut heranzuführen, um sie in ihrem späteren Leben zu rechtsextremistisch Verblendeten zu machen." In den Lagern werden die Kinder und Jugendlichen in der NS-Rassenideologie geschult,  so soll im Januar 2008 bei einem Lager der HDJ eine „Rassenschulung" stattgefunden haben, bei der unter anderem der nationalsozialistische Propagandafilm „Der ewige Jude" gezeigt wurde, der wegen seines erheblich volksverhetzenden Charakters verboten ist.

Auftreten

Nachdem das Bundesministerium des Innern der HDJ das Tragen von Uniformen auf ihren Veranstaltungen verboten hat, wechselte ihr Dresscode zu Grauhemden oder „Mädelbluse" und langem blauen Rock, auf denen Verbands- und Sonderabzeichen angebracht waren.

Trotz Uniformverbotes tritt die Heimattreue Deutsche Jugend immer noch in Uniformen auf, zum Beispiel in ihrem Kalender, auch werden die Kinder und Jugendlichen aufgefordert, das Verbot zu missachten und die Uniformen weiterhin zu tragen.

Innerhalb des Vereines wird der jeweilige Rang eines Mitgliedes durch verschiedenfarbige Sonder- und Verbandsabzeichen dargestellt, so trägt beispielsweise die Bundesführung goldene und die zweite Garde silberne Abzeichen.

Auf den ersten Blick wirken die Kinder und Jugendliche der Heimattreuen Deutschen Jugend wie Pfadfinder, doch beim zweiten Hinsehen stellt man fest, dass sie sich durch ihre rechtsextreme Ideologie stark von Pfadfindern unterscheiden.

Ideologie

Ein Ziel der Heimattreuen Deutschen Jugend ist „ein unabhängiges Deutschland in einem freien Europa", andere ihrer Vorhaben sind die Umwelt sauber und die Natur intakt zu halten und ihre Traditionen weiterzuführen.

Wie Pfadfinderschaften sprechen sie sich für Werte wie Treue, Kameradschaft, Aufrichtigkeit und Hilfsbereitschaft aus. Diese beziehen sich bei der HDJ jedoch nur nach innen in die eigene Gemeinschaft.

Weitere Ziele sind es, der Verenglischung der deutschen Sprache und der „Abwertung des Lebens durch Oberflächlichkeit, Beliebigkeit, Kulturlosigkeit und Verrohung" entgegenzuwirken.

Nicht gesagt wird jedoch, dass den Kindern und Jugendlichen ein rassistisches, menschenverachtendes Weltbild vermittelt werden soll, es wird zum Beispiel in ihrer Zeitschrift „Funkenflug" antisemitisches und rassistisches Material veröffentlicht, wie der Verfassungsschutz berichtete.

Die politische Einstellung der Heimattreuen Deutschen Jugend ist offensichtlich, da sie beispielsweise auf ihren Fahrten den Zelten Namen wie „Führerbunker" und „Germania" geben und so die NS-Diktatur verherrlichen. Es werden „Heldengedenkfeiern", wie im November 2004 für Hans-Ulrich Rudel, Schlachtflieger und Offizier der deutschen Wehrmacht, durchgeführt. Gedichte des Kommandanten der SS-Division „Wiking", Kurt Eggers, gehören zum Standardrepertoire der HDJ.

Bei den Lagern werden die Teilnehmer mit einem Fanfarenruf und den Worten „Lagermannschaft aufstehen, fertigmachen zum Frühsport" geweckt.

Dem Innenministerium zufolge bestehen zahlreiche Kontakte der Heimattreuen Deutschen Jugend zur NPD und rechtsextremen Kameradschaften.

Die Kinder und Jugendlichen werden in den Lagern mit paramilitärischen „Wehrübungen" ausgebildet und zu aggressiven Kämpfern gemacht, Bundesführer Sebastian Räbiger möchte sie zu einer „Sturmjugend" ausbilden.

Bei bundesweiten Razzien wurde festgestellt, dass die Heimattreue Deutsche Jugend ein verfassungswidriger Verein ist und ist seit dem 1.09.09 durch das Innenministerium verboten.

Hintergründe/weitere Literatur:

Ferien im Führerbunker - Filmtrailer
Ein Infoveranstaltung zum Film - Endstation Rechts